Unwahre Tatsachenbehauptung in einer Google-Bewertung
Eine Tatsachenbehauptung ist eine Aussage, die sich als wahr oder falsch beweisen lässt. Ist sie nachweislich unwahr, ist sie in der Regel nicht von der Meinungsfreiheit geschützt und kann ein Ansatzpunkt für eine Entfernung sein. Werturteile wie „schlechter Service“ sind dagegen grundsätzlich zulässig – auch wenn sie hart ausfallen.
Die Unterscheidung zwischen Tatsache und Meinung ist der Kern fast jeder rechtlichen Bewertungsprüfung. Sie ist im Einzelfall nicht immer leicht, weil viele Bewertungen beides vermischen. Diese Seite zeigt die Abgrenzung an Beispielen und erklärt, welche Belege Sie bereithalten sollten.
Bewertung prüfen lassenWas ist der Unterschied zwischen Tatsache und Meinung?
Entscheidend ist die Beweisbarkeit. Eine Tatsachenbehauptung bezieht sich auf etwas, das tatsächlich geschehen ist oder nicht – man kann sie mit Belegen überprüfen. Eine Meinungsäußerung ist eine subjektive Bewertung, die durch Stellungnahme und Dafürhalten geprägt ist.
Meinungsäußerungen sind durch Art. 5 GG weitgehend geschützt. Tatsachenbehauptungen sind ebenfalls geschützt, soweit sie wahr sind oder zur Meinungsbildung beitragen. Bewusst oder erwiesen unwahre Tatsachenbehauptungen genießen diesen Schutz nach allgemeiner Auffassung in der Regel nicht.
Beispiele: Tatsache oder Meinung?
Die folgenden Aussagen sind hypothetisch und dienen nur der Veranschaulichung. Wie eine Aussage im konkreten Fall einzuordnen ist, hängt immer vom Gesamtzusammenhang der Bewertung ab.
| Aussage | Eher Tatsache oder Meinung? | Warum |
|---|---|---|
| „Die Rechnung war 200 € höher als vereinbart.“ | Eher Tatsache | Vereinbarung und Rechnungsbetrag lassen sich anhand von Angebot und Rechnung überprüfen. |
| „Der Preis ist eine Frechheit.“ | Eher Meinung | Ob ein Preis angemessen ist, ist eine subjektive Bewertung. |
| „Wir haben 2 Stunden gewartet.“ | Eher Tatsache | Die Wartezeit ist grundsätzlich messbar, etwa über Termin- und Aufrufdaten. |
| „Der Arzt hat mich nicht untersucht.“ | Eher Tatsache | Ob eine Untersuchung stattfand, lässt sich etwa anhand der Dokumentation prüfen. |
| „Unfreundlichster Laden der Stadt.“ | Eher Meinung | Überspitzte, subjektive Wertung ohne überprüfbaren Kern. |
| „Die Firma ist pleite.“ | Eher Tatsache | Zahlungsfähigkeit ist objektiv überprüfbar; eine falsche Aussage kann die Kreditwürdigkeit berühren. |
| „Man wird hier abgezockt.“ | Mischäußerung | Wertung mit möglichem Tatsachenkern – etwa, wenn konkrete falsche Abrechnungen unterstellt werden. |
| „Das Essen war kalt und ungenießbar.“ | Mischäußerung | „Kalt“ ist eher überprüfbar, „ungenießbar“ eine Wertung; im Nachhinein ist beides schwer zu belegen. |
Wie werden Mischäußerungen und der Gesamtzusammenhang beurteilt?
Viele Bewertungen verbinden Tatsachen und Wertungen. Nach der Rechtsprechung wird eine solche Äußerung in der Regel insgesamt als Meinungsäußerung behandelt, wenn die wertenden Elemente überwiegen. Ein unwahrer Tatsachenkern kann aber auch dann eine Rolle spielen.
Maßgeblich ist, wie ein unvoreingenommener, durchschnittlicher Leser die Bewertung im Gesamtzusammenhang versteht. Einzelne Wörter werden nicht isoliert betrachtet. Beispiel: „Abzocke“ als bloßer Ausdruck des Ärgers über hohe Preise wird anders verstanden als „Abzocke – mir wurden Leistungen berechnet, die nie erbracht wurden“.
Was sollte das Unternehmen belegen können?
Wer eine Tatsachenbehauptung als unwahr beanstandet, sollte die Unwahrheit nachvollziehbar darlegen können. Je konkreter und besser dokumentiert, desto belastbarer ist die Beanstandung bei Google und in einer rechtlichen Prüfung.
- Die beanstandete Aussage wörtlich und mit Screenshot samt Datum und URL
- Eine kurze Gegenüberstellung: Was wird behauptet, was ist tatsächlich richtig?
- Belege zur Gegendarstellung, etwa Angebot, Auftragsbestätigung, Rechnung, Terminprotokoll oder Lieferschein
- Bei Wartezeiten: Termin- und Aufrufdaten, Kassenbons mit Uhrzeit
- Bei Aussagen über Mitarbeiter: Dienstplan, schriftliche Stellungnahme der betroffenen Person
- Bei Aussagen über die Firma selbst: etwa Registerauszüge oder Bestätigungen, die die Behauptung widerlegen
Belege mit Kunden- oder Patientendaten sollten Sie nicht ungeprüft weitergeben. Welche Informationen in einer Beanstandung zulässig und sinnvoll sind, gehört zur rechtlichen Prüfung.
Wie geht Google mit unwahren Behauptungen um?
Google prüft Bewertungen anhand seiner Richtlinien und nicht wie ein Gericht. Relevant sind etwa die Kategorien „Falschdarstellung“ und „Fehlinformationen“. Ob eine Aussage wahr oder falsch ist, kann Google bei einer einfachen Meldung oft nicht beurteilen.
Deshalb bleibt eine Bewertung mit strittigen Tatsachen nach einer Meldung häufig online. Eine begründete Beanstandung, die die Unwahrheit konkret darlegt, kann dann der nächste Schritt sein.
Weiterlesen: Google-Bewertung richtig melden
Rechtliche Einordnung
Zivilrechtlich kommen bei unwahren Tatsachenbehauptungen Unterlassungs- und Beseitigungsansprüche in Betracht, etwa nach § 1004 BGB in Verbindung mit § 823 BGB. Gefährdet eine unwahre Behauptung den Kredit oder den Erwerb eines Unternehmens, kann zusätzlich § 824 BGB relevant sein.
Strafrechtlich können üble Nachrede (§ 186 StGB) oder Verleumdung (§ 187 StGB) berührt sein. Ob die Voraussetzungen im Einzelfall vorliegen, insbesondere zur Beweislage, prüfen spezialisierte Rechtsanwälte aus unserem Netzwerk. Rufkanzlei strukturiert vorab Sachverhalt und Belege.
Die Erstprüfung ist kostenfrei. Für Google-Bewertungen beträgt die Vergütung 89 € netto je entfernter Bewertung und fällt nur im Erfolgsfall an. Wird eine entfernte Bewertung wieder veröffentlicht, wird sie kostenfrei erneut bearbeitet; kann sie nicht erneut entfernt werden, wird die Vergütung erstattet. Für Bewertungen auf anderen Plattformen wie Jameda, Kununu oder Trustpilot erhalten Sie die Konditionen nach der Erstprüfung.
Weiterlesen: Bewertungsrecht: Grundlagen für Unternehmen
Häufige Fragen
Wer muss beweisen, dass eine Behauptung falsch ist?
Das hängt vom Verfahren und von der Art des Anspruchs ab. Praktisch sollten Sie in jedem Fall nachvollziehbar darlegen können, warum die Aussage nicht zutrifft. Die Verteilung der Beweislast im konkreten Fall ist Teil der rechtlichen Prüfung.
Ist „Betrug“ in einer Bewertung eine Tatsachenbehauptung?
Das kommt auf den Zusammenhang an. Wird „Betrug“ umgangssprachlich als Ausdruck der Enttäuschung verwendet, kann es als Wertung verstanden werden. Wird damit ein konkretes strafbares Verhalten unterstellt, kann es eine Tatsachenbehauptung sein.
Reicht es, wenn ich die Aussage einfach bestreite?
Ein bloßes Bestreiten ist meist zu schwach. Belastbarer ist eine konkrete Gegendarstellung mit Unterlagen, die zeigen, was tatsächlich geschehen ist.
Was, wenn nur ein Teil der Bewertung unwahr ist?
Dann kann sich die Beanstandung auf diesen Teil beziehen. Bei Google wird eine Bewertung allerdings in der Regel nur insgesamt entfernt oder nicht entfernt; eine teilweise Änderung kann nur der Verfasser vornehmen.
Darf ich die unwahre Behauptung in meiner Antwort richtigstellen?
Eine sachliche Richtigstellung ist möglich, sollte aber keine Kundendaten oder vertraulichen Details enthalten. Formulieren Sie allgemein, etwa dass der Vorgang so nicht stattgefunden hat.
Quellen
Erstprüfung kostenfrei
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